Fühlst du dich manchmal allein gelassen? Hast du manchmal das Gefühl, dass keiner da ist, der stark genug ist, sich um deine Seele zu kümmern? Ich lese seit ein paar Tagen ein sehr gutes Buch, dass genau diese Fragen in meinem eigenen Leben aufwirft. Ich finde mich wieder, in den Geschichten und Erlebnisberichten, die dort wiedergegeben werden. Folgende Episode hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Das Buch, um das es sich dreht, hat den Titel: „Ganz leise wirbst du um mein Herz – wie Gott unsere Sehnsucht stillt“ von Brent Curtis & John Eldredge.

„Während meiner (John Eldredge) Teenagerjahre wurden meine Besuche auf der Ranch (hier lebte sein Großvater, der ihm viel über das Leben beibrachte und den er liebte) seltener. Mein Vater (Alkoholiker), der mit seinen Schlachten genug zu tun hatte, war nicht in der Lage, mir beizubringen, wie ich die meinen schlagen musste. Ich lechzte nach dem Gefühl, dass jemand für mich da sei, und probierte jede Form des Protests aus, die für einen unbeaufsichtigten Jugendlichen in der amerikanischen Kultur verfügbar war. Mit fünfzehn wurde ich wegen Einbruchs festgenommen. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, was meine Eltern sagten oder taten; vielleicht hatte ich ihnen sowieso schon das Herz gebrochen, wie es nur ein verlorener Sohn fertig bringt. Doch schon Stunden später konnte ich wieder frei herumlaufen. Oberflächlich betrachtet war ich erleichtert, der Strafe entgangen zu sein; doch tief drinnen, an dem Ort in unserem Herzen, wo sich die Geschichte ausbildet, war die Enttäuschung mehr, als ich ertragen konnte. Warum taten sie (meine Eltern) denn nichts? Ich wusste doch, dass ich etwas falsches getan hatte; warum zeigte mir denn niemand den richtigen Weg? Das war ein schmerzhafter Pfeil. Die Botschaft jagte mir den tiefen Schrecken ein, dass es niemanden gab, der stark genug war, um sich um meine Seele zu kümmern, um mich aufzuheben und mir auf den richtigen Weg zu helfen, wenn ich gefallen war. Ich war allein.“

Ich glaube, in unserer heutigen Gesellschaft gibt es eine ganze Reihe von Menschen (nicht nur Teenager) die nicht wissen, wie sie die Schlachten ihres Lebens erfolgreich schlagen können. Dazu zähle ich mich manchmal auch. Auch wir sind ständig auf der Suche nach jemanden, der uns wirklich ganz tief versteht und für uns da ist. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich, für meinen Teil, kenne das Gefühl gut.

Mich hat die Aussage: „Die Botschaft jagte mir den tiefen Schrecken ein, dass es niemanden gab, der stark genug war, um sich um meine Seele zu kümmern, um mich aufzuheben und mir auf den richtigen Weg zu helfen, wenn ich gefallen war. Ich war allein.“ sehr getroffen. Weil ich manchmal selber so fühle. Außerdem weiß ich von Menschen, denen es genauso geht, und die unter diesem Schrecken manchmal fast zu Grunde gehen. Wo sind die Menschen, die stark genug sind, sich um unsere Seele zu kümmern? Gibt es sie nicht? Hat keiner die Kraft dazu?

Ich weiß, glücklicher Weise, dass Gott sich um meine Seele kümmert. Dieses Wissen hat mir schon oft sehr geholfen. Aber manchmal reicht mir das nicht. Manchmal fühle ich mich dennoch allein in dieser Welt. Beim Nachdenken über dieses Thema ist mir ein Gedanke gekommen: Was ist, wenn wir uns trotz unserer eigenen gefühlten Einsamkeit, auf andere Menschen zu bewegen, und für sie der Starke sind, der sich um ihre Seele kümmert. Vielleicht liegt ja genau darin auch der Gewinn für uns.

Wenn ich mich selbst nicht als stark empfinde, heißt das noch lange nicht, dass ich anderen nicht zur Stärkung dienen kann – für andere der Starke sein kann, der sich um ihre Seele kümmert. Ich muß mir dessen nur bewusst werden. Vielleicht ist das ja die Lösung für mein Gegenüber und letztlich auch für mich.

Was denkt Ihr darüber? Über Kommentare zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen. Vielleicht hilft es uns ja gemeinsam weiter …

Wer kümmert sich um meine Seele?
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7 Gedanken zu „Wer kümmert sich um meine Seele?

  • 10. Oktober 2013 um 19:02
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    „Wenn du einsam bist, suche jemanden, der noch einsamer ist. Ihr werdet einander trösten, miteinander aufbrechen und die Welt verändern.“Johannes Paul II. –

    Ich denke, niemand ist besser geeignet in einer ungewohnten oder sogar belastenden Situation für jemanden da zu sein, als jemand der ähnliche Situationen schon durchlebt hat oder grade durchlebt. Es ist bereichernt, teilweise sogar entlastend und meist findet man über die Probleme des Anderen, Lösungen für sein eigenes. Dabei ist es auch nicht wichtig, ob der „starke“ sie schon erfolgreich überwunden hat oder noch drinnensteckt. Nur so jemand kann dich ermutigen und nur von so jemanden, wird man einen Rat annehmen, weil er weiß wovon er spricht und die Risiken und irritierenden Kreuzungen kennt, vor denen man irgendwann steht und Entscheidungen treffen muss.Das wichtigste ist diese Gemeinsamkeit zu erkennen.

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    • 10. Oktober 2013 um 19:05
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      An dieser Stelle passt vielleicht auch der Verweis auf einen früheren Artikel hier, mit dem Titel: „Die Dunkelheit und unsere Wunden“. Da steht dann auch gleich noch was Gott dazu sagt 😉

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    • 20. Oktober 2013 um 17:21
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      Ja Sandra, so sehe ich das auch – danke für deinen Kommentar und den Verweis auf einen passenden Artikel 😉

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  • 6. Oktober 2013 um 19:22
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    Am interessantesten an diesem Bericht finde ich, dass er von einem Jugendlichen verfasst wurde. Wir Erwachsenen schimpfen immer über die Jugendlichen und sind dabei oft selbst nicht in der Lage, sie zu beschützen. Wer kann verletzten Seelen helfen? Das ist nur möglich, wenn wir uns die Zeit zum Zuhören nehmen. Aber selbst das können viele heute schon nicht mehr. Wer durch den Glauben an Gott zu einer Gemeinde gefunden hat, dem fällt vieles leichter. Dort gibt es immer Menschen, die zuhören können.

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    • 6. Oktober 2013 um 20:05
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      So sollte es zumindest sein, Gitta. Ich denke auch, dass Zuhören ein großes Problem unserer Tage ist. Wir sind alle zu reizüberflutet, dass wir oft nicht bemerken, wenn jemand innerlich um Hilfe schreit. Ich glaube, dass bemerken wir erst, wenn wir selber schon in solchen Situationen waren. Und damit schließt sich der Kreis wieder.
      Danke für Deinen guten Kommentar.

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  • 5. Oktober 2013 um 20:44
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    Diese Erfahrungen mache ich häufiger. Ich arbeite beim Standesamt, in der Urkundenstelle. Zu mir kommen oft Menschen, die gerade ihren Ehepartner, einen Elternteil oder sogar ein Kind verloren haben; die die Scheidung einreichen oder andere Probleme haben. Oft komme ich mit ihnen ins Gespräch, gerade wenn es um Todesfälle gibt. Ich leide noch sehr unter dem Tod meiner Eltern, die ich sehr vermisse, und oft merke ich, dass es den Menschen gut tut, wenn ich ihren Schmerz einfach verstehe, ein paar tröstende Worte sage oder ihre Hand halte. In meinem Kummer und meiner Verletzlichkeit kann ich trotzdem ein kleines bißchen helfen – und werde gleichzeitig getröstet. Das ist schön.

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    • 6. Oktober 2013 um 19:59
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      Mir geht es so, dass ich mich in den Leid-Situationen meines Lebens frage: WARUM? Auf dem Hintergrund dieser Geschichte, verstehe ich (ein wenig) warum. Auch wenn es meine problemeatischen Situationen nicht entschärft. Leid gehört einfach zum Leben auf dieser Welt. Es ist nicht die Frage, ob uns Leid im eigenen Leben erreicht, sondern wann.
      Nach wie vor wünsche ich mir solche Lebensphasen nicht. Aber ich habe auch schon erleben können, dass ich selbst in diesen Zeiten, zur Hilfe für andere werden konnte. Einfach nur durch Ehrlich sein. Ich weiß, dass Gott mich gerade in diesen Phasen nicht verlässt, dennoch fühle ich mich manchmal allein und von Gott verlassen. Ich habe erlebt, wenn ich zu diesem Gefühl stehe, zu meinen Schwierigkeiten mit Gott und seinem Weg, dann kann das anderen dennoch in ihrer Beziehung zu Gott helfen. Das gibt mir Mut, einfach nur so zu sein, wie ich wirklich bin. Mit meinem Zweifel und meinem Glauben. Eigentlich geht es uns allen gleich. Wir können uns nur gegenseitig immer wieder unsere Erfahrungen mit Christus berichten. Das hilft oft mehr als theologische Ratschläge und der gleichen.

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