Von Umwegen und Wartezeiten

… hören wir nicht gern. Diese Dinge mögen wir nicht und verhindern sie wo es nur geht. Sie sind viel zu kostenintensiv und zeitaufwendig. Und doch ist unser ganzes Leben mit Wartezeiten verbunden, mit Umwegen die wir gehen müssen.

Aber wir wollen es kürzer und schneller. Unsere ganze Generation ist darauf getrimmt, alles schneller zu haben und zu machen. Warten ist völlig out, Abkürzungen sind völlig in. Schnelles Essen, schnelles Einkaufen, schnelles Reisen, schnelles Vergnügen, schnell ins Grab (na das vielleicht nicht, aber alles andere muss schnell gehen). Der folgende Bibeltext muss uns an der Stelle völlig absurd vorkommen. Der passt überhaupt nicht in unsere Zeit und unser Konzept. Und doch will er uns etwas sagen, was heute vielleicht wichtiger denn je ist.

Die Geschichte

„Und es geschah, als der Pharao das Volk ziehen ließ, da führte sie Gott nicht auf die Straße durch das Land der Philister, obwohl sie die nächste war; denn Gott sprach: Es könnte das Volk reuen, wenn es Kämpfe vor sich sehen würde, und es könnte wieder nach Ägypten umkehren. Darum führte Gott das Volk einen Umweg durch die Wüste am Schilfmeer.“       2. Mose 13 Vers 17+18

Nach 400 Jahren Knechtschaft und Sklaverei in Ägypten und 10 Ausreiseanträgen gibt der Pharao endlich nach. Die Israeliten sind frei. Und nun geht´s in die Heimat – nichts wie los. Aber was macht Gott? Er geht mit seinem Volk nicht den kürzesten -, sondern einen Umweg.

Was würden wir in dieser Situation machen? Nach langen, schweren Jahren dürfen wir endlich wieder in unsere Heimat. Wir nehmen den kürzesten Weg, ganz klar. Nichts liegt näher als den direkten Weg zu nehmen.

Was hat Mose also gemacht: Er hat seine Landkarte gezückt und den direkten Weg vom Nildelta ins gelobte Land berechnet. Mose war gut in Geometrie und wusste daher, der kürzeste Weg zwischen 2 Punkten liegt auf der Geraden. Der direkte Weg für die Israeliten hätte damals höchstens 14 Tage Wanderung bedeutet. Wenn sie ohne Probleme und Hindernisse durch das Land der Philister gekommen wären.

Wichtig zu wissen ist noch, dass zu dieser Zeit ein Highway von Ägypten nach Israel führte. In den Aufzeichnungen der Pharaonen Seti I und Ramses II kann man das nachlesen. Es gab eine Art Autobahn, die genau da lang führte. Es hätte also alles so einfach sein können. Wenn da nicht Gott gewesen wäre.

Er macht den Israeliten einen Strich durch die Rechnung. Bei Ihm ist der kürzeste und schnellste Weg nicht der beste. Der beste Weg ist bei Gott ein Umweg. Er führt sie nicht nach Nord-Osten sondern nach Süden. Dieser Umweg hat dem Volk 1 Jahr und 3 Monate gekostet, bis sie an den Grenzen zum Land Kanaan standen. Und durch Israels eigenes Verschulden sind sie dann noch einmal 40 Jahre in der Wüste umhergezogen, bis sie schließlich ins Land durften.

Den 2. Umweg hat Israel selbst verschuldet, den 1. Umweg hat Gott geplant. Aber warum führt Gott sein Volk so? Was macht er? Warum führt er es durch Hunger, Durst, Krankheiten und Entbehrungen? Die Begründung gibt er in Vers 17. Es ist, als wenn Gott zu seinem Volk sagt: ihr seid einfach noch nicht Reif ins gelobte Land einzuziehen. Ihr müsst zuerst durch meine Schule.

Was hat das nun mit uns zu tun?

Wenn Gott sein Volk damals schon Umwege gehen ließ, um sie in seine Schule zu nehmen, dann macht er das mit uns heute nicht anders. Gott sagt sie hätten das Ziel nie erreicht, sie wären wieder an den Ausgangspunkt, nach Ägypten, zurückgekehrt. Gott kennt sein Volk und er kennt uns. So wie Gott mit seinem Volk ein Ziel hatte, nämlich das verheißene Land, so hat er auch mit uns eins, den Himmel. Aber der Weg dorthin ist nicht der kürzeste und schnellste. Dieser Weg beinhaltet auch manchen Umweg.

Auch wir sind in Gottes Schule. Und wenn wir diese Umwege, die Gott uns gehen lässt abkürzen, dann stehen wir genau wie das Volk in der Gefahr, das Ziel nicht zu erreichen. Israel war noch nicht reif für die Heimat. Genauso wenig wie wir. Das Volk musste durch die Wüste. Sie mussten sich selbst kennen lernen, ihre Schwächen, ihre Grenzen und ihre totale Abhängigkeit von Gott = das versteht die Bibel unter Heiligung.

Es gibt, denke ich, noch einen 2. Grund für diesen Umweg. Sie sollten ihren Gott kennen lernen. In den ganzen nächsten Kapiteln lesen wir, wie sich Gott um sein Volk kümmerte. Er wollte das Vertrauen seines Volkes. Er wollte ihnen zeigen wer er ist, wie sehr er sie liebt und für sie sorgt, trotz widriger Umstände. Er wollte eine ganz enge Beziehung zu ihnen. Er wollte sie für sich gewinnen. In der Bibel sagt Gott an einer anderen Stelle: „sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“

Gott will eine Liebesbeziehung zu seinem Volk und deshalb dieser Umweg.Und ich bin überzeugt: aus dem gleichen Grund geht Gott auch mit uns so manche Umwege. Wege durch die Wüste. Steinige Wege. Wege durch dunkle Täler. Wege die uns überhaupt nicht gefallen. Weil er eine persönliche und tief verwurzelte Beziehung zu uns aufbauen möchte. Er möchte unseren Charakter und unseren Glauben schulen und stärken. Nur in unseren Wüstenerfahrungen lernen wir Ihn wirklich kennen. Denn Gott lässt sich nicht auf diesem  Instand-Weg erfahren.

Auf dem Umweg erlebten die Israeliten ihren Gott. Sie machten gewaltige Erfahrungen mit ihm. So ist es auch heute noch. In meinen Wüstenzeiten lerne ich am meisten. Erfahre ich am deutlichsten seine Gegenwart. Es gibt nur eine Bedingung: ich muss den Umweg mitgehen, den Gott mich führt.

„Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie bei Tag und bei Nacht ziehen konnten. Die Wolkensäule wich nie von dem Volk bei Tag noch die Feuersäule bei Nacht.“               2. Mose 13 Vers 21+22

Foto: © m.prinke / flickr.com

 

von Umwegen und Wartezeiten
Markiert in:             

Kommentar verfassen