Veränderung – Erneuerung, wie geht das? Pastoren, Priester, Prediger – alle stehen sie Sonntag für Sonntag auf den Kanzeln und vor den Gemeinden des Landes, und legen das Wort Gottes aus. Ob sie nun studiert haben oder eher Laienprediger sind – alle miteinander predigen sie, um etwas zu erreichen (abgesehen von denen, die es nur wegen ihres Jobs oder des Geldes wegen tun). Was wollen sie erreichen? Wozu dient ihre Predigt?

Ich denke es geht um Lebens- und Persönlichkeitsentwicklung. Es geht um Erneuerung, die Gottes Geist in uns bewirken will. Letztlich geht es darum, der Art Jesu ähnlicher zu werden. Glauben zu wecken und zu fördern. Die Frage, die sich mir dabei aber stellt ist: passiert diese Veränderung, diese Erneuerung wirklich? Erleben wir in den Gemeinden diese Verwandelung? Erleben wir Glaubenswachstum? Oder gehen wir Sonntags in die Gottesdienste weil wir es schon immer so getan haben? Weil wir gewohnte Worte hören wollen, die uns manchmal auch ein wenig herausfordern dürfen. Wollen wir persönliche Veränderung, Erneuerung überhaubt erleben? Oder scheuen wir uns vor Veränderungen und haben Angst vor Herausforderungen. Diese Fragen betreffen den Zuhörer.

Aber auch an die Prediger habe ich Anfragen. Was kann ein Pastor weitergeben, der Wachstum und Veränderung in seinem Leben nicht mehr erlebt, weil er vielleicht zufrieden ist mit seiner eigenen „Nachfolge“? Oder weil sein Veränderungsprozess schon lange zurück liegt. Wie kann ein Prediger die Gemeinde motivieren, der Angst hat vor Veränderungen? Weil Veränderungen immer das Betreten neuer, unbekannter Räume bedeuten. In denen man wieder neu überlegen und Dinge hinterfragen muss. Was kommt da von den Kanzeln rüber?

Ich stelle mir diese Fragen nicht einfach so. Ich stand selber mehrere Jahre auf einer Kanzel und habe mich gefragt, wie Veränderung – Erneuerung wirklich passieren kann. Weil ich den Widerspruch, den Gegensatz spürte, zwischen dem was ich sagte und wollte und dem wie mein Leben wirklich aussah. Nun habe ich in einem Buch,  ein paar sehr interessante Gedanken zu diesem Thema gelesen, die vielleicht eine Antwort geben.

Das einfachste und zugleich Schwierigste, was uns Franziskus sagt, ist, dass wir die Welt nur so weit zu ändern vermögen, wie wir uns selbst verändern. Wir können nur das weitergeben, was wir selbst sind. Wir können anderen nur das anbieten, was Gott an uns gewirkt hat. Wir verfügen über keine theoretischen Antworten. Wir müssen selbst zur glaubhaften Antwort werden. Nur die Wege, die wir selbst zurückgelegt haben, kennen wir samt ihren Kehrseiten. Franziskus ging an den Rand, und so konnte er andere zu dem hinführen, was er selbst gefunden hatte. Bevor wir irgendetwas da draußen zu lösen vermögen, müssen wir zunächst einmal alle Konflikte und Widersprüche des Lebens in uns selbst lösen. Nur der, der Vergebung erlangt hat, kann anderen vergeben; wer selbst geheilt worden ist, kann erst wirklich heilen; wer jeden Tag neu von der Barmherzigkeit lebt, kann erst anderen Barmherzigkeit schenken. Das alles klingt womöglich allzu einfach und zu individualistisch; aber genau solche Menschen sind es, die schließlich tiefe und langanhaltende soziale Änderungen bewirken können.

Richard Rohr in dem Buch „Hoffnung und Achtsamkeit – Der spirituelle Weg für das 21. Jahrhundert“

 

Veränderung – Erneuerung, wie geht das?
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Ein Gedanke zu „Veränderung – Erneuerung, wie geht das?

  • 3. Februar 2012 um 22:52
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    Ich bin gerade eben durch Zufall auf die Seite gekommen. Gefaellt mir bis jetzt gut.

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