Unser Leben – eine Besichtigungsreise? Ist unser Leben ein netter Ausflug – eine Besichtigungsreise? Mit meinem Leben hat das wenig zu tun.

Die Bibel sagt immer wieder, der Weg des Menschen sei tatsächlich ein Weg, und zwar ein Weg, auf den immer wieder Gott rufe und dessen Etappen er bestimme – ein Weg auch, auf dem wir mehr umgewandelt als über alles genau unterrichtet würden. Ich glaube, uns wäre es viel lieber, möglichst bald einen gedruckten Reiseführer in der Hand zu halten. Dann könnte unser Lebensweg ein Besichtigungsausflug sein; so verstehen ja nich wenige die Religion: als einen (vielleicht sogar interessanten) Besichtigungsausflug. Bei der Vorstellung, unser Leben gleiche eher einer Art Bildungsreise, hängt man das Thema, sich auf etwas ganz und gar einzulassen und sich verantwortlich einzubringen, recht tief, selbst wenn Vertreter der Religion erwarten, dass die Leute folgsam alles mitmachen und nicht vom Weg abweichen. Dagegen ist mit der Sichtweise, das Leben sei ein fortwährender Prozess der Umwandlung und des Wachstums, das Risiko verbunden, dass die Menschen „alle mit dem einen Geist getränkt“ (1. Korinther 12,13) werden, sich ihm und seiner Führung anvertrauen. Ist es nicht traurig, dass wir uns lieber auf Konformität und Gruppenloyalität eingeschworen haben, statt uns auf eine wirkliche Veränderung einzulassen?

Richard Rohr in dem Buch „Hoffnung und Achtsamkeit – der spirituelle Weg für das 21. Jahrhundert“

Als die Jünger damals Jesus nachgefolgt sind, hat das sehr wenig mit einer Besichtigungsreise zu tun gehabt. Es ging damals wie heute um Veränderung, Umgestalltung und Erneuerung. Menschen die Jesus damals gefolgt sind haben einen massiven Veränderungsprozess durchlebt. Sicherlich auf ganz unterschiedlichen Gebieten und auch unterschiedlich intensiv. Aber dieser Weg hat jeden einzelnen nachhaltig verändert. Und das nicht nur in der Zeit, als Jesus bei ihnen war.

Warum tun wir uns heute selbst als Christen oft so schwer mit persönlicher Veränderung und Erneuerung? Obwohl wir sie uns doch eigentlich wünschen, und auch immer wieder gesagt bekommen, dass Gott uns in diesen Prozess mit hinein nehmen will?

Weil es was mit Kontrollverlust zu tun hat. Ich gebe die Kontrolle über mein Leben (die ich eigentlich nie hatte) in FREMDE Hände und Vertraue auf FREMDE Führung. Ich denke an der Stelle beginnt lebendiger Glaube.

Zu vertrauen, dass Gott es gut mit mir meint auch wenn die Umstände gerade nicht danach aussehen. Dass er mich auf diesem „neuen“ Weg begleitet auch wenn ich es im Moment nicht spüre. Zu glauben dass er mich anfeuert, wenn ich ein Etappenziel erreichen soll. Mich ermutigt, wenn ich nicht weiß ob ich es packe. Mich hält, wenn ich zu fallen drohe und mich auffängt, wenn ich gefallen bin. Das ist lebendiger Glaube an Christus.

Mit jedem Vertrauenschritt in diese Richtung werde ich Erfahrungen mit diesem FREMDEN machen. Und im Laufe meines Lebens wird dieser FREMDE immer mehr zu einem Freund. Ein Freund, der Jesus schon immer für mich war, selbst als ich ihn noch als FREMDEN wahrgenommen hab.

Lasse ich mich als Christ nicht auf diesen Veränderungsprozess ein sondern will mein Leben selbst kontrollieren, wird Jesus mehr oder weniger immer ein FREMDER bleiben, selbst wenn ich mich schon Jahre als Christ bezeichne.

Unser Leben – eine Besichtigungsreise?
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