„Einer neuen Studie der Barna Group zufolge, liegt das Haupthindernis bei geistlichem Wachstum darin, dass für die meisten Personen geistliche Reife gleichbedeutend ist mit der möglichst exakten Befolgung biblischer Regeln. Da verwundert es nicht, dass die meisten Menschen auch sagten, sie seien unmotiviert sich um geistliches Wachstum zu bemühen. Wer glaubt, Gott ginge es darum, dass wir hübsch eine Unmenge an Regeln befolgen, für den wird geistliches Wachstum immer eine Pflicht und kein Herzensanliegen sein. >> Aus dem Befolgen von Regeln wächst nicht automatisch ein lebendiger Glaube <<, schreibt Paulus >> Regeln führen immer nur zu weiteren Regeln << (nach Galater 3,12). Mit anderen Worten: Wenn ich so lebe, hat das zur Folge, dass ich ein Regel-versessener, Verlangen-abtötender, Bibel-lesender, Gefühle-verneinender, selbstgerechter Christ werde, der sich selbst nicht treu ist. Im Endeffekt kann ich Gott nicht nachfolgen, wenn ich nicht darauf vertraue, dass er im Grunde nur meine besten Interessen verfolgt. Der Buchstabe tötet, der Geist aber schenkt Leben. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich Regeln befolge oder Jesus nachfolge, denn Regeln kann ich auch mit einer falschen inneren Haltung befolgen“ ….

John Ortberg aus dem Buch„ICH einzigartigICH“

Es ist so leicht, in die Tretmühle von Regeln und Gesetze zu tappen. Beides, Regeln und Gesetze vermitteln uns eine (scheinbare) Sicherheit. „Wenn ich mich nur eng genug an diese Regel halte und jenes Gesetz befolge, bin ich auf dem richtigen Weg“ denken wir. Wir fühlen uns besser, weil wir ja aktiv an unserem geistlichen Wachstum arbeiten (dieser Satz alleine ist schon ein Widerspruch in sich). In diesem Fall leben wir Religion (Regelion) aber keinen lebendigen Glauben. Wir verkrampfen bei dem Versuch, geistlichere Menschen zu werden, indem wir immer nur noch mehr Regeln einführen oder die vorhandenen besser erfüllen wollen. Diesem falschen Denken sind auch damals die Pharisäer schon aufgesessen. Scheinbar ist unser Sicherheitsbedürfnis aber so groß, dass wir förmlich nach Regeln und Gesetzen suchen, um uns an ihnen festzuhalten. Das grenzt uns aber nur noch mehr von unseren Mitmenschen ab und bringt uns weiter weg, von einer lebendigen Beziehung zu Christus.

Wie kommen wir nun raus, aus diesem religiösen Denken? Mir hilft, mir immer wieder neu bewusst zu machen, dass es nur eine Sicherheit für mich gibt, und die ist Jesus selber. Kein Einhalten von Regeln oder Gesetzen bringt mich näher zu Gott. Nur ein offenes und selbstkritisches Hinterfragen der eigenen Motive und ein ehrlicher Umgang mit mir selber und anderen, helfen mir an der Stelle weiter. Ehrliche Zerbrochenheit gefällt Gott besser als vorgetäuschte Geistlichkeit.

Wer im religiösen System von Regeln und Gesetzen gefangen ist, hat von Zeit zu Zeit Angst zu versagen. Diese Angst, ist für mich zu einem Alarmsignal geworden. Fühle ich diese Angst in mir wachsen, suche ich nach den Punkten in meinem Leben, die nicht stimmen. Wo bin ich unehrlich vor mir selber oder anderen? Wo rede ich anders, als ich tatsächlich lebe?

Bei den Dingen, die ich tue, oder den Schritten, die ich gehen, stelle ich mir immer öfter die Frage: „Wächst dadurch nur mein Gefühl von Sicherheit, oder mein Vertrauen zu Gott?“ Ich suche in meinem Leben nach „vertrauensbildenden Maßnahmen“ Gott gegenüber. Denn Glauben ist vertrauen, nicht Regeln befolgen.

Regelion (Religion) vs. Glauben
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3 Gedanken zu „Regelion (Religion) vs. Glauben

  • 15. März 2011 um 21:57
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    Lieber „Tröster“, ich glaube, du hast Sinn und Ziel dieses Artikels völlig missverstanden. Ich denke, der Verfasser ist auch ein „Bibel-Lesender“ und nur das sture Lesen oder Betrachten einzelner Passagen der Bibel und deren Auslegung wird von John Ortberg kritisiert. Dieser Artikel spiegelt eine persönliche Erfahrung wieder und greift keine „anders denkenden“ Christen an. Persönlich war ich auch sehr schockiert von mir, als ich merkte, wie abhängig ich von Regeln war. Ich fühlte mich christlicher als andere, wenn ich ausgesprochene wie auch unausgesprochene Regeln befolgte. Doch ich habe einen Prozess durchlaufen und bin da auch noch am Anfang: dass ich erkenne, Glauben ist mehr, kann viel lebendiger sein, viel intensiver sein. Ich möchte viel näher an Gott sein und so werden, wie Gott mich schon immer erdacht hat und das tun, wozu er mich (nur mich) in diese Welt gestellt hat!

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  • 11. März 2011 um 05:31
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    … das ich mich laut John Ortberg als „Bibel lesender“ Christ unkommentiert in einer Negativ-Reihe finde mit Regel-versessenen, Verlangen-abtötenden, Gefühle-verneinenden, selbstgerechten Christen, die sich selbst nicht treu sind … oder anders gesagt, dass Bibel lesen auch eine Negativ-Folge des davor beschriebenen sein soll, das tut mir weh.
    Es ist für mich weder Einladung, noch Herausforderung, oder Anregung,
    was doch diese Seite eigentlich verspricht.
    Selbst bei Nichtchristen ist doch Freiheit immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.
    Und bei uns Christen, wo die gegenseitige Liebe das Erkennungszeichen – vor allem nach außen – sein sollte, wundert und schmerzt es mich sehr, solche Töne zu finden.
    Schade – diese Freiheit, die auf Verurteilung und Verletzung anderer steht, möchte ich nicht.

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  • 2. März 2011 um 20:22
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    Hallo Tobse,
    ich finde es cool deine Gedanken zu lesen und zu erleben mit was du dich beschäftigst.
    Irgendwie ist es schade, dass so viele Christen es noch nicht verstanden haben, was Jesus uns gebracht hat. Freiheit!!!! Ich darf mich frei von den Dingen fühlen, die mir von Menschen auferlegt werden. Ich muss nichts leisten, um Gott erfahren zu können, um von ihm geliebt zu werden. Warum überlesen so viele Christen was Jesus gesagt und getan hat? Alles was ich tue oder sage, geschieht nicht weil ich muss, weil jemand mich dazu zwingt, weil es nun einmal das Gesetz ist, sondern aus Liebe. Jesus sehnt sich nicht nach einer Geschäftbeziehung, sondern nach einer Liebesbeziehung. Danke dir für deine Gedanken. Liebe Grüße aus dem Süden

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