Ostersonntag

Zwei Männer sitzen zusammen in einem Zugabteil (vielleicht am Ostersonntag). Der ältere der beiden bemerkt nach einiger Zeit, dass der jüngere sehr nervös und angespannt ist. Die beiden kommen ins Gespräch, als der ältere den jüngeren fragt was denn los sei. Im Laufe des Gespräches bekennt dann der jüngere, dass er sich mit seinen Eltern massiv zerstritten hat und von zu Hause weggelaufen ist. Und auf der Suche nach sich selbst und dem wahren Leben landete er schließlich im Gefängnis.

Durch sein verpfuschtes Leben wurden auch seine Eltern in den finanziellen Ruin und in die Verzweiflung getrieben. Und er erzählt weiter, dass er seine Strafe im Gefängnis nun abgesessen hat, seine Schuld erkannt hat und nun auf dem Weg ist, seine Eltern um Vergebung zu bitten. Da die Bahnstrecke nun genau am Elternhaus vorbei fuhr, hatte er seine Eltern vorher um ein Zeichen gebeten um zu sehen, ob er denn überhaupt noch willkommen war zu Hause und sie ihm vergeben würden. Es sollte ein weißes Leinentuch in den Baum im Garten hängen, damit er sehen kann, ob sein Weg umsonst war, oder ob ihm seine Eltern vergeben würden.

Sollte der Baum leer sein, würde er bei seinen Eltern erst gar nicht halt machen, sonder gleich wieder umkehren. Und während die beiden Männer mit dem Zug fuhren, kam der Wohnort der Eltern immer näher und der junge Mann wurde immer nervöser und die Anspannung wuchs. Dann bat der junge Mann den älteren: „können Sie nicht für mich aus dem Fenster schauen um zu sehen ob das Tuch im Baum hängt – ich trau mich nicht, ich habe Angst enttäuscht zu werden.“ Und so fuhren sie am Elternhaus vorbei und der junge Mann fragte den älteren ganz aufgeregt was er denn gesehen habe. Und er bekommt zur Antwort: der Baum in eurem Garten ist über und über mit weißen Leinen bedeckt.

Ich finde dieses Bild absolut beeindruckend. Die Freude dieses jungen Mannes wird man wohl kaum in Worte fassen können. Ich bin zu Hause willkommen – mir wird vergeben. Diese Geschichte ähnelt sehr der vom verlorenen Sohn, die wir aus der Bibel kennen. In beiden Geschichten wird deutlich, was für einen großen Stellenwert Vergebung für einen Menschen, und für unser aller Leben hat.

Wo Menschen miteinander zu tun haben, geschehen Verletzungen. Je enger Menschen miteinander zusammen leben, desto größer sind mitunter auch die Schmerzen, die dabei entstehen. Wir leben auf der Erde, nicht im Paradies, und auch nicht im Himmel. Es gibt kein Zusammenleben ohne dass ich andere verletze und selber verletzt werde. Ob ich das nun will oder nicht. Das sind Tatsachen, die wir nicht umgehen können. Die Frage ist also: wie gehen wir damit um?

Wenn Verletzungen, Schuld und Schmerzen unser Leben begleiten, dann müssen wir einen Weg finden, mit diesen Dingen positiv umzugehen. Finden wir ihn nicht, wird unser Leben einsam und freudlos. Und wir selber werden mehr und mehr verbittern. Ohne Versöhnung, ohne Vergebung ist das Leben trostlos, einsam und führt zur Verbitterung.

Ich glaube, je mehr Vergebung wir an uns selber erleben, uns selber entgegen gebracht wird, desto mehr können wir auch selber vergeben. Je mehr ich verstehe, dass auch ich Vergebung nötig habe, desto mehr werde ich in der Lage sein anderen, die an mir schuldig werden, zu vergeben.

Ich erlebe bei Jesus, dass er mich vorbehaltlos annimmt. Bei Jesus erfahre ich Trost, für Verletzungen, die andere mir zugefügt haben. Und ich erfahre Vergebung für meine Verletzungen, die ich anderen zufüge. Natürlich ist damit die Beziehung zu dem Menschen, den ich verletzt habe, noch nicht bereinigt. An der Stelle kommt es auf mein weiteres Verhalten und auf die Vergebungsbereitschaft des andern an. Hier ist also noch ein Weg zu gehen, der mitunter auch ein längerer sein kann.  Aber ich für mich, kann wohin mit meiner Schuld und auch mit meinen Verletzungen. Das erlebe ich als großes Geschenk.

Letztlich können wir Vergebung bei Gott erfahren, weil Christus dafür mit seinem Leben (einem schuld- und sündlosem Leben) gezahlt hat. Jeder der nach Vergebung sucht, kann sie nun seit Karfreitag und Ostersonntag bei Christus finden. In Christus ist Gott ein gewaltigen Schritt auf uns zugekommen. Mit offenen Armen, die uns annehmend, vergebend und versöhnend entgegen gestreckt sind, begegnet er uns.  Wie die Eltern des Jungen aus unserer Geschichte. Und wie der Vater aus der Geschichte vom verlorenen Sohn, die uns Jesus erzählt. An Karfreitag hat Gott die Welt mit sich versöhnt und Christus hat dafür bezahlt. Am Ostersonntag ist Christus auferstanden und uns damit zur Hoffnung geworden. Fortan bietet er jedem, der danach sucht, Vergebung und Versöhnung mit Gott an. Auf dieser Grundlage können wir Wege finden, auch mit unseren Mitmenschen versöhnlich zu leben und Vergebung zu praktizieren.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Osterfest!

Ostersonntag
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