In der Welt habt ihr Angst. Anhand eines Buchauszuges von Richard Rohr, möchte ich über das Thema Angst in dieser Welt ein paar Zeilen verlieren.

Unsere Zeit ist als Zeit der Angst bezeichnet worden, und ich glaube, damit ist sie recht zutreffend beschrieben. Wenn die Welt und unsere Sicht der Welt alle paar Monate neu definiert werden, wissen wir nicht mehr, was unsere Grundlage, was unsere verlässlichen Sinnfundamente sind. Wir sind uns nicht mehr sicher, was uns überhaupt trägt, und das macht Angst. Diese Angst wollen wir so schnell wie möglich wieder loswerden. Wenn man heutzutage auf irgendeinem Gebiet oder irgendwem ein guter Begleiter sein möchte – als Pfarrer, als Bischof oder als guter Vater oder zuverlässige Mutter, muss man ein gewisses Maß an Angst durchleben und geduldig aushalten. Vermutlich ist es so: Je anspruchsvoller deine rolle als Begleiter ist, ein um so höheres Maß an Angst musst du selbst durchleben können. Wer seine eigene Angst leugnet, überspringt und nicht aushält, kann niemand anderen durchs Leben begleiten. Denn Angst ist eine Kraft zu wachsen und zu erwachen.

Wahrscheinlich deshalb heißt es in der Bibel so oft: „Fürchte dich nicht!“ Ich habe eine Bibelausgabe mit dem Hinweis, dieser Satz tauche in der Bibel 365-mal auf! Wer nicht in Ruhe ein gutes Maß an Angst aushalten kann, schaut sich ständig nach jemanden um, der sie einem nehmen könnte. Lässt man sich nehmen, was man nicht aushalten und durchstehen will, verleiht einem das – so denkt man – eine neue Identität, jedoch – sage ich – eine negative Identität. Sie schafft in Wahrheit keine Lebensenergie, sondern eine Todesenergie, weil die Angst nicht erlöst, sondern nur verschoben worden ist. Denn niemand kann uns unsere Angst nehmen, außer wir geben sie in den Brunnen des Vertrauens, dass Gott uns nie mehr zumutet, als wir zu tragen vermögen,- gerade dann, wenn wir versucht sind zu meinen, es übersteige unsere Kräfte.

Richard Rohr aus dem Buch „Hoffnung und Achtsamkeit“

In den letzten Monaten ist mir sehr bewußt geworden, wie oft und massiv dieses Thema auch mein Leben durchdringt. Natürlich kennt jeder Mensch Ängste. Jeder hat damit zu tun. Aber Angst ist nicht gleich Angst. Verlustangst, zum Beispiel, ist etwas anderes, wie die Angst zu spät zu kommen oder die Angst vor´m Zahnarzt (obwohl auch die sehr massiv und panisch sein kann). Es gibt unterschiedliche Ängste. Ich rede hier nicht von den „kleinen“ Ängsten im Alltag. Mir geht es um die großen Lebensängste. Zu versagen, einen geliebten Menschen zu verlieren, Krankheitsangst, Angst vor einer ungewissen Zukunft usw.

Mir ist deutlich geworden, wie sehr solche grundlegenden Ängste mein Leben durchdringen und meine Entscheidungen oder mein Auftreten beeinflussen. Das ist in dieser geballten Form neu für mich. Bis dato habe ich mich mit diesem Thema nicht sehr intensiev beschäftigt, sodass viele Ängste in mir unterschwellig einfach da waren, ich aber nur eine nebulöse Ahnung von ihnen hatte und kaum wusste was sie mit mir machen. Vielleicht sind diese Ängste in mir aber auch erst jetzt richtig zu Tage getreten. Ich musste jedenfalls lernen, mich meinen Ängsten zu stellen und ihnen ins Gesicht zu blicken. Dabei habe ich einige interessante Entdeckungen gemacht.

Mir ist klar geworden, dass es eine ganze Reihe von Entscheidungen in meinem Leben gab, die ich auf Grund bestimmter Lebensängste getroffen habe. Angst ist aber die denkbar schlechteste Grundlage, um weitreichende Entscheidungen zu treffen. Weiterhin habe ich erfahren, wie schwierig und zum Teil kontraproduktiv und unmöglich es ist, eine Ehe oder Familie zu führen, wenn man selber so tief in seinen eigenen Lebensängsten verstrickt ist.

Ich erlebe, dass ich bei Christus meine Ängste wirklich abladen kann. Er hilft mir die emotionale Last meiner Lebensängste zu tragen. Die Ängste sind dann nicht verschwunden, aber nicht mehr so erdrückend. Ich muss innerlich nicht mehr daran zerbrechen. Ruhig zu werden und Frieden zu erleben, ist für mich möglich geworden, selbst im Angesicht meiner Ängste. Schwierigkeiten und Probleme in allen Bereichen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens lassen sich nur in dieser Ruhe, in diesem Frieden wirklich ertragen und lösen. Das habe ich erfahren.

Jesus sagt einmal: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh.16,33) Ein ganz simpler Satz, den ich wohl immer überlesen habe. In den letzten Monaten, ist er mir aber sehr wichtig geworden. Jesu Worte haben eben doch Macht. Macht, Situationen, Dinge und die eigenen Einstellungen zu verändern. Wenn man sie ernst nimmt und den Worten, Zusagen und Verheißungen glauben schenkt, egal wie verfahren die Umstände auch scheinen.

Seid getrost – lässt euch von mir trösten. Jesus weiß um die Ängste, Schwierigkeiten und Probleme in unserem Leben. In unseren Ehen, Familien, in den Gemeinden, am Arbeitsplatz und nicht zuletzt in uns selbst. und er bietet uns Trost, Frieden und Ruhe an. Wir müssen sie nur abholen bzw. in Anspruch nehmen.

Ein Schlüssel ist für mich geworden, dass ich ganz bewußt und detailiert meine emotionale Last vor Jesus ausspreche und sie bei Ihm eintausche gegen seinen Frieden und seine Ruhe (Tausch am Kreuz). Ich gebiete den Ängsten, die ich namentlich benenne, zu weichen und nehme Jesu Trost und seinen Frieden wörtlich in Anspruch. Worte haben Macht – das erlebe ich an der Stelle sehr deutlich.

Die Probleme, Schwierigkeiten und Ängste sind dadurch nicht schlagartig weg. Aber es löst sich etwas in mir. Ich bin nicht mehr gebunden an diese Dinge. Ich bin freier, und kann meine Entscheidungen auch wieder freier treffen. Das alles ist ein Prozess und geht nicht über Nacht. Aber ich erlebe ihn und freu mich diese Erfahrung zu machen.

In der Welt habt ihr Angst …
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5 Gedanken zu „In der Welt habt ihr Angst …

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  • 22. April 2012 um 09:28
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    ein sehr schöner artikel, v.a. da ich mich in den letzten monaten auch sehr mit dem thema angst auseinander gesetzt habe. ich habe gemerkt wie angst meinen alltag und meine entscheidungen im alltag bestimmt und wie stark meine gemütszustände davon abhängig sind und wie befreientd es ist, gerad mal nicht diese angst zu haben.
    angst kann einen richtig kaputt machen, deshalb ist es wichtig zu wissen, woher kommt diese angst und wie kann ich mit gottes hilfe gegensteuern? das passert nicht, wie gesagt, über nacht aber es passiert, denn schließlich isses gott nicht scheißegal, ob wir an userer angst kaputt gehen oder nicht. ich habe das erlebt und habe gottes wirken in meiner angst hinein erlebet und erlebe es tag täglich. doch oft genug danke ich, dass ichs nicht mehr aushalte und frage mich: gott mächtig wie liebevoll und kann er dann nicht einmel cheaten und macht mitm fingerschnipp alles wieder gut? die frage stellen sich viele und viele verzweifeln an dieser frage und demensprechend kehren viele oft gott den rücken.
    ich möchte gott nicht den rücken kehren, zumal ich ihn täglich erlebe, aber ich kann menschen verstehen, die das tun.

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