Ist Gott unser Wunschautomat? Beim Vorbereiten der Kinderstunde nutze ich üblicherweise Vorlagen aus einem Buch. Als ich mir neulich das Kapitel „König Joasch“ ansah, um mir einige Gedanken zum nächsten Sonntag zu machen, bin ich beim Punkt „Zielgedanke“ hängen geblieben. Ich überflog den Satz, um ihn dann erstaunt noch einmal zu lesen: „Gott segnet unser Leben und unser Tun, solange wir uns an sein Wort halten.“ Das ist also der Gedanke, der bei den Kindern nach der Kinderstunde hängen bleiben soll?! Wir bringen unseren Kindern bei: sei ganz brav und tue alles das, was Gott will (oder was wir denken, was Gott will) und du wirst immer gesegnet sein – es wird dir also immer gut gehen. Klar muss die Botschaft für die Kinder vereinfacht werden, aber das geht in eine falsche Richtung. Was ist die logische Schlussfolgerung, wenn es uns nicht gut geht, wenn wir uns zurzeit nicht gesegnet fühlen? Da kommt so leicht die Frage auf, was hab ich falsch gemacht, wo bin ich noch nicht gut genug? Und wenn das so weitergedacht wird, wo kommen wir dann hin – Leistungsdenken. Ich tue etwas und Gott reagiert darauf mit Segen oder nicht. Ich glaube das ist zu einfach. Gott lässt sich nicht in dieses menschliche Denkschema hineinpressen. ER ist anders, er ist Gott und er ist die Liebe. Wir müssen uns Gottes Gnade nicht erwirtschaften mit irgendwelchen Pflichterfüllungen, die uns oft von Mitchristen nahe gelegt werden. Denn anders herum gesehen kann man in ein riesiges Loch fallen, wenn man alles super macht (Stille Zeit, regelmäßiger Gottesdienstbesuch, Aufgaben in der Gemeinde übernehmen…) und trotzdem wird man krank, wird arbeitslos oder bröckelt die Ehe. Dann habe ich den Eindruck, Gott ist unfair. Ich mache so viel für IHN und sein Reich, mehr als Kirchenbanknachbar rechts und links und das ist jetzt der Dank? Gott ist kein Automat. Und er wird auch Leid in meinem und deinem Leben zulassen, um uns zu verändern. ER möchte viel weiter in unser Leben eindringen und unsere Abhängigkeit zu IHM soll größer werden.

Ich will damit nicht sagen, dass Bibel lesen, Gottesdienste besuchen und in der Gemeinde mitarbeiten schlecht sind, aber wir können dann nicht automatisch verlangen, dass es uns gut geht. Diese Punkte können uns helfen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Doch kann uns Gott auch segnen, wenn wir nicht immer alles so richtig machen.

Ich denke, es geht darum immer mehr in Gottes Liebe einzutauchen, immer mehr von seinem Wesen zu verinnerlichen. Dann kann man auch im Leid seine Hand spüren und das Vertrauen kann wachsen.

GOTT – unser Wunschautomat
Markiert in:         

4 Gedanken zu „GOTT – unser Wunschautomat

  • 9. Februar 2012 um 07:37
    Permalink

    Prinzipiell begeistern mich Bücher, die mich nicht nur unterhalten, sondern mich auch herausfordern innezuhalten und mein Leben zu überdenken.

    Antworten
  • 24. Oktober 2011 um 06:23
    Permalink

    Hallo Schlunz,
    Der „König Joasch“ ist ein König aus dem Alten Testament, und im AT galt bekanntlicherweise dieses Segens-Prinzip für das irdische (oder diesseitige Leben) – „Gott segnet unser Leben und unser Tun, solange wir uns an sein Wort halten.“
    Gottes Segen war im AT gleichbedeutend mit Wohlstand, vielen Kindern, Gesundheit und langem Leben.
    Im Neuen Testament ist uns dieser diesseitige – materiell greifbare – Segen im Zusammenhang mit unserem Gehorsam nicht mehr verheißen, aber Gottes Segen und Erbarmen ist eben auch unabhängig von unserem Tun, von unseren Leistungen. Das kann man vereinfacht auch den Kindern deutlich machen und sollte es auch unbedingt tun. Das Halten an Gottes Wort ist im NT nicht der Weg zum Segen, sondern die Antwort darauf — die Antwort aus Liebe auf die Liebe Gottes, auf seinen unverdienten Segen.
    Das verstehen Kinder übrigens sehr gut!
    … Außerdem ist sich nicht gesegnet fühlen und nicht gesegnet sein, nicht unbedingt dasselbe.
    In diesem Sinne wünsche ich Gottes Segen – unabhängig von Deiner Leistung und Deinem Empfinden … und noch viele AHA Erlebnisse bei der Vorbereitung von Kinderstunden.

    Antworten
  • 20. Oktober 2011 um 20:45
    Permalink

    pass aus, kleines auge, was du siehst…;)

    Antworten
  • 20. Oktober 2011 um 15:17
    Permalink

    „Gott segnet unser Leben und unser Tun, solange wir uns an sein Wort halten.“ Diese Aussage ist grundsätzlich ja nicht falsch. Und doch denke ich auch wie Du, kann man diesen Satz nicht allein und ohne Erklärung stehen lassen. Schon allein die Geschichte von Hiob im AT zeigt das sehr gut. Ich denke sowieso, dass wir mit solchen Pauschalisierungen aufpassen müssen. Die Frage ist an vielen Stellen: Was vermitteln wir für ein Gottesbild, mit den Aussagen, die wir schnell mal über Gott tätigen und die sich oft so geistlich anhören?
    Ich finde den Artikel sehr lesenswert und freue mich über diese offenen Gedanken 🙂

    Antworten

Kommentar verfassen