Was ist wohl leichter für einen Christen, in Gesetzlichkeit oder in Freiheit zu leben? Auf den ersten Blick würde ich auf die Freiheit tippen. Lebe ich nach Gesetzen, bin ich in meinem Tun eingeschränkt. Ich muss ständig aufpassen, dass ich das Gesetz nicht übertrete. Welches es auch immer ist. Das ist mit unter schwer und setzt mich unter Druck. Da ist die Freiheit doch viel angenehmer und erscheint leichter umsetzbar oder lebbar zu sein. Ich muss auf nichts aufpassen. Ich kann einfach drauf los leben. Ich bin ja frei. Oder? Das es die ultimative Freiheit nie geben kann, darüber sind wir uns sicherlich einig.

Auf den ersten Blick scheint Gesetzlichkeit schwer, aber in Wirklichkeit ist Freiheit in Christus der schwerere Weg. Es ist verhältnismässig leicht, nicht zu morden, aber schwer, in Liebe die Hand auszustrecken; es ist leicht, sich vom Bett des Nächsten fern zu halten, aber schwer, eine Ehe am Leben zu erhalten; es ist leicht, Steuern zu zahlen, aber schwer, für die Armen dazusein. Wenn ich in der Freiheit lebe, muss ich für die Führung des Heiligen Geistes offen bleiben. Ich bin sensibler für das, was ich versäumt habe, als für das, was ich geleistet habe. In der Religion führt die Geringschätzung des Gesetzes zur Gesetzlichkeit. Die hohe Einschätzung des Gesetzes bringt einen dazu, die Gnade zu suchen.

John Gresham Machen

Ich finde diese Gedanken extrem nachdenkenswert. Meiner Meinung nach, steckt dort so viel Wahrheit und Weisheit drin, dass man sich schon ein wenig Zeit nehmen muss, um sie zu durchdenken. Jedenfalls geht es mir so.

Ich stelle fest, dass es schwer ist meine Ehe lebendig zu halten. Mir fällt es schwer für die Armen da zu sein. Und ich meine jetzt nicht nur, dass man von seinem Geld ja was an die Armen in der Welt abgeben kann. Ich meine die Armut, die mir persönlich im Alltag begegnet. Ich habe meine Schwierigkeiten damit, mein Leben für die Führung des Heiligen Geistes offen zu halten. Weil mir mein Ego dabei viel zu oft im Weg steht. Und ja, ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken: „Wäre es nicht schön, wenn ich einfach nur ein paar Regeln hätte, nach denen ich mich richten kann. Dann weiß ich immer genau was in den einzelnen Situationen meines Lebens Richtig und was Falsch ist. Grauzonen gäbe es dann nicht. Das wäre viel einfacher“

Die Freiheit auf der Grundlage der Gesetze Gottes zu leben ist tatsächlich schwerer. Und den letzten Satz von J.G. Machen finde ich am interessantesten. „In der Religion führt die Geringschätzung des Gesetzes zur Gesetzlichkeit. Die hohe Einschätzung des Gesetzes bringt einen dazu, die Gnade zu suchen.“ An der Stelle möcht ich Euch Blogleser mal fragen, was dieser Gedanke bei Euch so auslöst, und wie Ihr ihn versteht.

Benutzt das Kommentarfeld und schreibt Eure Gedanken dazu. Mich interessiert sehr, was da zusammen kommt.

Gesetzlichkeit oder Freiheit
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6 Gedanken zu „Gesetzlichkeit oder Freiheit

  • 20. Februar 2013 um 21:25
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    Ich befürchte, dass Gesetzlichkeit auch immer damit zu tun hat, seinen eigenen Unglauben oder seine gestörte Gottesbeziehung irgendwie zu kompensieren. Denn kann man sich nicht mehr über das definieren, was Jesus für einen getan hat, ist man gezwungen, sich über das zu definieren, was man selbst tut.

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    • 20. Februar 2013 um 22:31
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      Ja Alex, das befürchte ich auch. Das Problem ist, dass wir oft meinen einem Bild entsprechen zu müssen. Und wenn unsere Gottesbeziehung gestört ist, halten wir dennoch unser Bild nach Außen aufrecht, statt authentisch zu sein. Das ist dann aber nicht mehr echt und schreckt andere Mitmenschen ab, weil sie spüren, dass wir nur eine christliche Maske aufgesetzt haben. Und eine dieser Masken ist sicher auch die Gesetzlichkeit. In der Gefahr steht jeder Christ. Viele sind sich dessen scheinbar aber nicht bewußt.
      Danke für Deinen Kommentar 🙂

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  • 27. Oktober 2012 um 23:35
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    Ich persönlich habe festgestellt, dass die Christen, die „geistlich gesehen schwach“ sind, sich lieber i-welchen Gestzen beugen, die sie aus der Schrift fein säuberlich zusammengetragen haben – wie: eine Frau muss lange Haare tragen, sehr lange Röcke, niemals einen Ausschnitt, beim Beten immer das Haupt bedeckt usw…

    Es gab eine Zeit, da versuchte ich mich auch daran zu halten, doch musste feststellen, dass mir andere Punkte viel zu unwichtig geworden waren – so z. B. die Frucht des Geistes (Eph. 6) – Deshalb bin ich froh und dankbar, dass mich JESUS befreit hat und ich mich vom Heiligen Geist leiten lassen darf und keine strengen Strukturen einhalten muss – denn wie schreibt Paulus so schön und treffend:
    Alles ist mir erlaubt – aber es ist nicht alles nützlich! 😉

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    • 30. Oktober 2012 um 14:40
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      Danke, Anja, für Deinen Kommentar.
      Ich finde es auch sehr schade, wenn man Christsein an Äußerlichkeiten fest macht und dabei nicht bermerkt, wie man in Gesetzlichkeit verfällt.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es leicht ist bestimmten christlichen Klischees zu entsprechen, in dem man sich so kleidet, sich so verhält und entsprechend redet, um als Christ aufzufallen. (Wir sollen ja Zeichen in der Welt setzen) Schwer dagegen ist es, einfach das zu leben was Christus uns sagt. Ohne dabei das Bestreben zu haben, um jeden Preis auffallen zu müssen.

      Ich denke wir würden automatisch viel authentischer wirken, wenn wir nicht ständig darauf schauen, wie wir als Christen erkannt werden. Sondern wenn wir anfangen uns von Gottes Geist in den alltäglichen Entscheidungen führen zu lassen.

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