„… Heute triumphiert in der Gemeinde die Nüchternheit. Evangelikale sind verantwortungsbewusste Bürger, die den meisten Menschen als Nachbarn zwar angenehm sind, mit denen sie aber kaum ihre Zeit verbringen wollen. Theologen mit langen Gesichtern halten Vorträge über die »Herausforderungen des Glaubens«. Fernsehevangelisten, bei denen jedes (häufig gefärbte) Haar korrekt an seinem Platz liegt, erklären siegesbewusst, wer der Antichrist ist, sagen das Ende der Welt voraus und erklären, wie wir in der Zwischenzeit ein Leben in Gesundheit und Wohlstand führen können. Die christliche Rechte ruft nach moralischer Erneuerung, und normale Christen verweisen auf Mäßigung, Betriebsamkeit und Leistung als wichtigsten Beweis ihres Glaubens. Wir Christen sind oft sehr eifrig bemüht zu zeigen, wie gut wir sind – und vergessen dabei, dass das Evangelium nur schlechten Menschen wie eine gute Nachricht vorkommt“ …

Philip Yancey aus: „Warum ich heute noch glaube, Menschen, die mir halfen, die Gemeinde zu überleben“

Manche unserer Mitmenschen sind der Meinung, wir seien bessere Menschen, weil wir uns Christen nennen. Wir können nicht so „gut“ sein wie ihr, sagen sie. Und aus diesem Grund, wollen sie erst gar nichts mit uns zu tun haben, weil sie selber es ja eh nicht schaffen würden so „gut“ zu leben. Wir schrecken ab, durch unsere fromme Fassade, die unsere Mitmenschen erschlägt. Wieder andere haben denselben Eindruck von uns Christen, schauen aber hinter die Kulissen unseres „sauberen und ordentlichen“ Lebens und sehen manches Chaos und offensichtliche Schuld, die wir peinlich genau zu verstecken suchen. Diese Menschen betrachten uns (zu Recht) als Heuchler, und wollen aus diesem Grund nichts mit uns zu tun haben. Wir schrecken ab, durch unsere fromme Fassade, die bei näherem hinsehen oftmals wirklich nur Fassade ist, und nichts mit unserem echten Leben zu tun hat.
Beide Gruppen von Menschen schrecken wir durch unsere fromme Fassade ab. Die einen, weil sie nur davor stehen bleiben, und erschlagen werden. Und die anderen, weil sie dahinter schauen (uns durchschauen) und entsetzt sind. Dabei sagen wir doch immer den schlauen Satz: „wir sind keine besseren Menschen, wir sind nur besser dran“. Wie kommt es dann also zu diesen Wirkungen auf andere?
Ich denke, wir sollten endlich anfangen Echt zu sein. Zu unseren Fehlern und Schwächen zu stehen, den anderen nichts vorspielen und unsere Masken ablegen. Christus zu folgen heißt ja nicht, als perfekte Menschen über diese Erde zu laufen (wie könnten wir das je). Wie können wir ernstlich meinen, den Menschen ein vermeidlich perfektes christliches Leben vorzuspielen, in dem irren Glauben, es würde im positiven Sinn ansteckend auf sie wirken. Das Gegenteil wird der Fall sein. Nur wenn sie sehen, dass wir mit den gleichen Schwierigkeiten und Problemen im Alltag zu kämpfen haben, den gleichen Versuchungen ausgesetzt sind, die gleichen Zweifel und Ängste haben und von Zeit zu Zeit den gleichen Sünden zum Opfer fallen, wie jeder andere auch, dann kann die Hoffnung auf Christus, die in uns lebt, unsere Mitmenschen anstecken

Für wen ist die “Gute Nachricht” wirklich eine Gute?
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