„Auf den Kanzeln wird zunehmend ein Kuschelgott verkündet, an dem wer auch immer sich fröhlich erwärmen kann. Der Zeitgeistaffine Gegenwartsgott ist immer nur reine Liebe, Güte, Gnade und Herzenswärme, trostreicher Heizkissengott für jede kalte Lebenslage … So wird das Christentum zu einer Wellness-Religion gemacht.“

so der evangelische Theologieprofessor Friedrich Wilhelm Graf (München) im Wochenmagazin „Focus“ – Abgedruckt als „Wort der Woche“ in der Idea, Ausgabe März 2011

Wenn der „Zeitgeistaffine Gegenwartsgott, immer nur reine Liebe, Güte, Gnade und Herzenswärme, trostreicher Heizkissengott für jede kalte Lebenslage …“ ist, dann gebe ich Herrn Dr. Graf mit seiner Aussage recht.

Nur denke ich, man sollte sich auch mal die Frage stellen, warum auf den Kanzeln zunehmend so gepredigt wird (vorausgesetzt, diese Aussage stimmt). Ursachenforschung halte ich an der Stelle für angebrachter, als plakative und polarisierende Pauschalaussagen die hier, meiner Meinung nach, fehl am Platz sind.

Verhält es sich nicht so, dass in den letzten Jahren vielerorts sehr gesetzlich geprägte und Regeln befolgende Predigten zu hören waren. Wenn ja, dann hat das Folgen für den persönlichen, alltäglichen Glauben der Zuhörer. Es findet eine Prägung statt – ein Gottesbild wird geprägt, und zwar eine ziemlich enges. Ich denke, in dem Fall ist es nicht verwunderlich, dass viele Christen angesichts des unterschwelligen Drucks, der aufgebaut wird, das „Handtuch schmeißen“, aufgeben und manchmal sogar an Gott selbst verzagen. Es fehlte die Ausgeglichenheit zwischen Gnade und Gericht, Barmherzigkeit und Strenge, Errettung und Verdammnis.

Ich denke, an der Stelle müssen sich alle, die in gemeindlicher Verantwortung stehen, den Vergleich zu den Pharisäern der Zeit Jesu gefallen lassen. Auch sie meinten es gut, und wollten nur eines – näher zu Gott. Aber bei ihren ganzen Bemühungen vergaßen sie, dass Gott vor allem Anderen an Barmherzigkeit und Liebe interessiert ist. Genau diese Botschaft hat Jesus den Menschen der damaligen Zeit gebracht. Und schon damals war die Befreiung, der Botschaft Jesu gegenüber der, der Pharisäer, deutlich zu spüren.

Wenn diese Beobachtungen stimmen, dann müssen wir uns nicht wundern, dass der gegenwärtige Trend (der für sich allein betrachtet, sicherlich sehr einseitig ist und letztendlich auch in die Irre führt) bei vielen Christen, als Befreiung erlebt wird.

Die Situation, die sich uns hier bietet, entspricht einem großen Boot. Je mehr Leute auf eine Seite gehen, desto mehr Schlagseite bekommt dieses Boot – bis es zu kentern droht. Wenn allerdings viele Leute schon auf einer Seite des Bootes sind, wird es für die anderen erforderlich, sich ganz weit auf die andere Seite zu schlagen, um ein Kentern zu verhindern. Diese Situation kann aber nicht das Ziel sein. An der Stelle könnte eine gemeinsame Bewegung in die Mitte – in die Ausgeglichenheit, die Lösung bringen. Vorausgesetzt das Problem wird als solches erkannt, und man begegnet ihm gemeinsam.

ein Kuschelgott für Christen …
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2 Gedanken zu „ein Kuschelgott für Christen …

  • 25. April 2011 um 07:17
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