die Stellung der Bibel – Fortsetzung des Artikels: „der Höhlenmensch und das Licht  Wo sehe ich bei mir selber, in meinem bisherigen Umgang mit der Bibel, Parallelen zum Höhlenmenschen aus meinem letzten Artikel?

Ich meine nicht, dass jede ernst gemeinte, intensive, wortgenaue Betrachung der Bibel zu Verzerrungen führt. Im Gegenteil: eine gründliche Auseinandersetzung mit der Bibel ist für jeden Christen, jede Gemeinde oder die Kirche grundlegend. Und doch gibt es sehr unterschiedliche Art und Weisen die Bibel zu lesen und zu verstehen. Genau so verschieden wie wir sind, lesen wir auch die Bibel. Der Eine sehr intellektuell, ein Anderer eher emotional, der nächste wieder sehr unkompliziert. Dieser unterschiedliche Gebrauch der Schrift sollte nicht als Falsch betrachtet werden. Es kann also keiner den Anspruch erheben, seine Art die Bibel zu lesen und zu verstehen, sei die einzig Richtige. Nur zusammen wird ein Bild daraus, weil jeder einen wichtigen Aspekt hinzusteuern kann, den der Andere auf Grund seiner Persönlichkeitsstuktur nicht wahrnehmen kann.

In Bibelstunden habe ich früher oft den Eindruck gehabt (und auch selber vermittelt), dass es ein Texterarbeitungsziel gibt. Nämlich, dass alle Teilnehmer das gleiche Textverständniss erlangen (entsprechend der Lehre der Gemeinde), und ihn somit „richtig“ verstehen. Es ging dabei weniger um die Frage, wie jeder Einzelne den Text sieht, erlebt und was er mit ihm persönlich macht, als viel mehr darum, was er uns allgemein zu sagen hat und wie er allgemein zu verstehen ist. (letzteres ist natürlich dennoch richtig und wichtig, aber eben nicht alles)

Das wiederum fördert nicht unbedingt eine persönliche, (selbst-) kritische und  hinterfragende Auseinandersetzung mit dem Bibeltext. Es werden (mehr oder weniger) eher Antworten vorgegeben, die zu glauben sind, als bewußt die Unterschiedlichkeit des Redens des Wortes Gottes zu jedem einzelnen wahrzunehmen, stehen zu lassen und einen Austausch darüber zu führen und diesen als bereichernd zu erleben. Das führt leicht dahin, dass man wohl eher einfach übernimmt, anstatt selber zu überlegen. Hier geht die Mündigkeit jedes einzelnen Christen zu Gunsten einer einheitlichen (Gemeinde-) Theologie verloren. Natürlich ist Theologie wichtig, aber sie ist im gemeinsamen Austausch nicht alles.

An der Stelle polieren wir nur die Fensterscheiben, und bemerken nicht das Licht, das durch die Fensterscheiben zu uns durch dringt. (siehe Artikel: „der Höhlenmensch und das Licht)

Ich meine, wir müssen umdenken lernen. Zum Beispiel andere Gedanken nicht als „falsch“, sondern als Gedankenanregung zu verstehen. Das eigene Denken und Tun immer wieder hinterfragen: Ist das wirklich so, wie ich es denke? Ist das so, nur weil ich schon immer so gedacht habe? Warum denk und tu ich dies und jenes so und nicht anders?

Wenn wir diese Art zu Denken, auch im Umgang mit der Bibel anwenden, werden wir eher das helle Licht wahrnehmen, und weniger die polierten Fensterscheiben 😉

die Stellung der Bibel
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Ein Gedanke zu „die Stellung der Bibel

  • 9. Juli 2011 um 20:51
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    Gefaellt mir, dass hier haeufig geschrieben wird.

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